Eine eindrucksvolle und bewegende Veranstaltung erlebten die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen sowie das gesamte Lehrerkollegium unserer Schule. Im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs war Ernst Grube zu Gast und gewährte den Anwesenden einen tiefen Einblick in seine Lebensgeschichte.
Ernst Grube, der als Kind während der Zeit des Nationalsozialismus in München aufwuchs, berichtete eindrücklich von seinen persönlichen Erfahrungen. Als Sohn einer jüdischen Mutter war er schon früh von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen. Schließlich wurde er noch 1945 gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Viele seiner Angehörigen wurden Opfer des Holocaust – ein Verlust, der sein Leben bis heute prägt.

Mich hat besonders beeindruckt, wie Herr Grube über seine Ängste damals gesprochen hat.“ (Samiya, 10. Klasse)
Mit großer Offenheit, bemerkenswerter Klarheit und einer spürbaren inneren Stärke schilderte Herr Grube seine Erlebnisse. Seine Worte machten Geschichte für die Zuhörenden greifbar und führten eindrücklich vor Augen, welches Leid und welche Ungerechtigkeit Menschen unter dem nationalsozialistischen Regime erfahren mussten.
Trotz seines hohen Alters ist es ihm ein großes Anliegen, insbesondere jungen Menschen seine Erinnerungen weiterzugeben. Sein Engagement zeigt, wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Im Anschluss an den Vortrag stellten sechs Schülerinnen und Schüler stellvertretend für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zuvor gesammelte Fragen, die Herr Grube einfühlsam, geduldig und sehr persönlich beantwortete. Dieser direkte Austausch verlieh der Veranstaltung eine besondere Tiefe und machte deutlich, wie wertvoll Begegnungen mit Zeitzeugen für das Verständnis von Geschichte sind.

„Sein Appell, dass wir offen und interessiert an allem sein sollen, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es geht nicht nur um früher, sondern auch um uns heute.“ (Laura, 10. Klasse)

Neben den erschütternden Schilderungen seiner Lebensgeschichte vermittelte Ernst Grube eine klare und eindringliche Botschaft für die Gegenwart: Er betonte die Bedeutung von Demokratie, Frieden und Menschlichkeit und rief die Schülerinnen und Schüler dazu auf, wachsam zu sein und zu handeln. Seine Worte waren nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein eindringlicher Appell an die Verantwortung jedes Einzelnen.
Die Veranstaltung wurde zudem musikalisch von Schülerinnen und Schülern unserer Schule umrahmt, die ein selbst komponiertes Lied präsentierten. Mit viel Feingefühl und Ausdruckskraft griffen sie die Thematik des Nachmittags auf und verliehen den Eindrücken eine zusätzliche emotionale Dimension. Dieser Beitrag unterstrich die nachhaltige Wirkung der Veranstaltung und zeigte, wie intensiv sich auch junge Menschen mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

„Zeitzeugengespräche sind für uns sehr wertvoll, damit wir die Vergangenheit nicht vergessen und sie sich nie mehr wiederholt“ (Preslava, 10.Klasse)

Die Begegnung mit einem Zeitzeugen wie Ernst Grube ist von unschätzbarem Wert für die schulische Bildungsarbeit. Sie ermöglicht es, Geschichte nicht nur als abstrakten Unterrichtsstoff zu begreifen, sondern als gelebte Realität, deren Folgen bis in unsere Gegenwart reichen und unser Handeln beeinflussen sollten.

„Auf diese Weise wird für uns Geschichte lebendig und nahbar“ (S. Goetz, Studienferendarin)

Wir sind sehr dankbar, dass Ernst Grube trotz seines hohen Alters den Weg zu uns gefunden hat, um seine Erfahrungen mit uns zu teilen. Sein Besuch hat uns alle nachhaltig beeindruckt und wird den Schülerinnen und Schülern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Er erinnert uns eindringlich daran, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und die Werte unserer Demokratie aktiv zu schützen und zu leben.

Stefanie Thienst