10a und 10c auf Abschlussfahrt in Berlin
Warum rennen 52 Schüler nebst Frau Janker, Herrn Lehner, Herrn Prüll und Frau Roithmeier morgens um 8.15 Uhr durch den Albert-Schweitzer-Park in Richtung Bushaltestelle Isarstraße? Ganz klar, sie wollen mit einem Reisebus so schnell wie möglich nach Berlin. Nachdem sich unser Busfahrer Robert bereits zu Beginn durch seine unkonventionelle Art unsere Sympathien erworben hatte, ging unsere Fahrt los, intensiv verkürzt durch intensive, sehr emotionale Debatten und Anmerkungen zum Thema Zimmerverteilung. Schließlich tauchte plötzlich nachmittags am Straßenrand das Ortsschild der Hauptstadt auf, obwohl wir mit unseren zeitverkürzenden Beschäftigungen im Bus noch gar nicht fertig waren. Unfreundlicher Regen und ständiger Verkehr ließen das Ausladen unseres Gepäcks am Tempelhofer Ufer zu einem Abenteuer werden. Da standen wir nun in einer kilometerlangen Schlange und warteten und warteten auf Einlass in unser Hostel, das an diesem Tag, wie man deutlich sehen konnte, von hunderten anderen SchülerInnen bezogen werden würde. Schließlich landeten wir doch noch nach einer Weile in unseren Vierbett- oder Sechsbettzimmern, die logistisch wegen der zahlreich mitgebrachten Gegenstände herausforderten. Am frühen Abend führte uns ein gemeinsamer Fußmarsch zum Checkpoint Charlie, dem berühmtesten Grenzübergang Berlins während der Teilung Deutschlands, und schließlich dann zum Potsdamer Platz mit viel moderner Architektur. Der nächste Tag begann nach einer mit wenig Schlaf bedachten Nacht für einen Großteil der Gruppe mit einem Besuch im Dungeon, während eine kleinere Gruppe die Hackeschen Höfe besuchte. Mittags trafen sich alle am Alexanderplatz, um nach einer Mittagspause in Richtung Regierungsviertel zu Fuß aufzubrechen. Leider war der Hinweis zum Thema bequeme Schuhe im Elternbrief von einigen Schülerinnen nicht genau genug gelesen worden. Nach einem sehr aufwendigen Sicherheitscheck trafen wir im Paul-Löbe-Haus die Regensburger Bundestagsabgeordnete Dr. Carolin Wagner, die uns schnell durch ihr Temperament und ihre politische Leidenschaft mitten in die aktuellen Diskussionen über streitbare Themen wie hohe Spritpreise, demokratiefeindliche Tendenzen oder Legalisierung von Cannabis führte. All unsere Fragen wurden ausführlich beantwortet, bevor wir noch ein gemeinsames Foto auf der großen Treppe machten. Weiter ging’s nach einem erneuten Sicherheitscheck in den Deutschen Bundestag (Besuchertribüne), bei dem eine Mitarbeiterin kurzweilig über die Geschichte des Gebäudes von der Kaiserzeit bis zur heutigen Bundesrepublik erzählte, aber auch die genaue Sitzordnung im Parlament bzw. Fachbegriffe des Parlamentarismus wie Hinterbänkler und Hammelsprung erläuterte. Dann durften wir endlich hinauf in luftige Höhen über dem rot schimmernden Abendhimmel von Berlin, eine atemberaubende Kulisse – der Weg auf die Reichstagskuppel, zusammen mit vielen anderen Touristen aus der ganzen Welt.
Am nächsten Tag begleitete uns eine Stadtführerin im Bus und zeigte uns fast alles, was Berlin an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Vom Berliner Schloss, zur Prachtstraße Unter den Linden, den Fernsehturm am Alex nebst Prachtbauten der ehemaligen DDR, den Kurfürstendamm, die Spree, die East-Side-Gallery und und und. Am späten Nachmittag wurden bereits stundenlange Vorbereitungen für den Abend getroffen, es wurde gefönt, geschminkt, gestylt, damit man im Club Matrix den gewünschten Auftritt garantieren konnte. Ebenso wie wir waren wieder unzählige Schulklassen auf die gleiche Idee gekommen und doch genossen viele die Atmosphäre, die auf zahllosen Fotos und Videos festgehalten wurde.
Am nächsten Tag besuchte man gemeinsam das ehemalige STASI-Gefängnis Hohenschönhausen, geführt von ehemaligen Insassen bzw. Zeitzeugen des DDR-Regimes. Robert, unser Busfahrer, brachte uns danach auf speziellen Wunsch noch einmal zum Kurfürstendamm, sodass selbst die ausgefallensten Einkaufs- oder Restaurantwünsche erfüllt werden konnten.
Spaß gemacht hat uns allen, Schülern wie Lehrern, neben all den Sehenswürdigkeiten und Programmpunkten aber besonders UNSER Viertel am Rand von Kreuzberg, wo das Hotel lag. Sowohl Lebensmittelläden und kleine Lokale als auch der beste Döner Deutschlands waren in unmittelbarer Nähe. Leider konnte das opulente Frühstücksangebot unseres Jugendhotels nicht immer von allen Spätaufstehern genutzt werden, denn viele schliefen spät ein, die Nacht wurde zum Tag. Und Gespräche waren selbst dann noch durch die geschlossene Zimmertüre zu hören, wenn Frau Janker ab 2 Uhr morgens um die Zimmer schlich. Was soll’s? Schlaf wird überbewertet bei Klassenfahrten, schlafen kann man auch zu Hause.
IRENE JANKER-LANDSMANN